Impulse

Gedanken, die weiterführen.

Bücher, eigene Überlegungen und unterschiedliche Perspektiven auf Menschen, Kommunikation und Veränderung.

Warum arbeiten wir eigentlich so viel an unseren Schwächen?

Wir müssen nicht alles können. Und wir müssen auch nicht aus jeder vermeintlichen Schwäche ein neues Entwicklungsprojekt machen.

Warum arbeiten wir eigentlich so viel an unseren Schwächen?

Schon in der Schule lernen wir etwas Interessantes.

Stell dir vor, ein Kind hat in Mathematik eine 2 und in Englisch eine 5.

Wo wird zusätzliche Energie investiert?

Vermutlich in Englisch.

Und das ist zunächst völlig nachvollziehbar. Schließlich muss ein gewisses Niveau erreicht werden.

Aber eine andere Frage wird viel seltener gestellt:

Warum bist du eigentlich so gut in Mathematik – und wie gut könntest du darin werden?

Vielleicht lernen wir dadurch schon früh, unsere Aufmerksamkeit vor allem auf das zu richten, was noch nicht funktioniert.

Die Schwäche braucht Arbeit.
Die Stärke läuft doch schon.

Was wäre, wenn wir Stärken stärken?

Eine natürliche Stärke ist für mich etwas, das uns zunächst vergleichsweise leicht gelingt. Etwas, bei dem wir nicht über jeden einzelnen Schritt nachdenken müssen.

Gerade deshalb kann sie leicht selbstverständlich wirken.

Dabei könnte genau dort enormes Entwicklungspotenzial liegen: Wenn etwas bereits gut funktioniert und wir beginnen, uns bewusst damit auseinanderzusetzen, zu lernen und diese Fähigkeit weiterzuentwickeln.

Wir investieren erstaunlich viel Energie darin, weniger schlecht zu werden – und manchmal zu wenig darin, außergewöhnlich gut zu werden.

Das bedeutet nicht, Schwächen einfach zu ignorieren.

Wenn eine Schwäche mein alltägliches Leben, meine Beziehungen oder meine Möglichkeiten regelmäßig beeinträchtigt, kann es sehr sinnvoll sein, sich mit ihr auseinanderzusetzen.

Aber selbst dann muss die erste Frage nicht immer lauten:

Wie werde ich diese Schwäche los?

Vielleicht kann ich auch fragen, ob eine meiner Stärken mir dabei helfen kann, anders mit ihr umzugehen.

Nicht alles, was stört, muss weg

Manche Eigenschaften sind außerdem nicht in jeder Situation gleichermaßen hilfreich oder hinderlich.

Wer beispielsweise sehr direkt, energisch und durchsetzungsstark ist, kann damit in manchen Situationen Konflikte verschärfen. In einem anderen Kontext kann genau diese Durchsetzungsfähigkeit äußerst wertvoll sein.

Oder jemand denkt sehr viel über Situationen nach. Abends im Bett kann daraus belastendes Gedankenkreisen werden. Bewusst eingesetzt kann dieselbe Tendenz dabei helfen, Zusammenhänge zu erkennen, Gedanken zu ordnen und Lösungen zu entwickeln.

Vielleicht geht persönliche Entwicklung deshalb nicht immer darum, etwas an uns zu reparieren.

Manchmal könnte Entwicklung auch bedeuten, herauszufinden, was bereits da ist – und diesem Teil von uns mehr Raum zu geben.

Was könnte aus deiner größten Stärke werden, wenn du ihr genauso viel Aufmerksamkeit schenken würdest wie deinen Schwächen?