Kann ich es wirklich nicht – oder möchte ich nur nicht das tun, was notwendig wäre, damit ich es kann?
„Ich kann das nicht.“
Ein Satz, den vermutlich jeder von uns schon einmal gesagt hat.
Manchmal stimmt er natürlich.
Aber manchmal steckt hinter „Ich kann das nicht“ vielleicht etwas ganz anderes:
Der Aufwand wäre mir zu groß.
Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll.
Ich möchte nicht scheitern.
Oder: Ich will das eigentlich gar nicht.
Interessant finde ich dabei, dass der Satz „Ich kann das nicht“ gedanklich bereits ziemlich abgeschlossen ist.
Wenn ich etwas nicht kann, brauche ich schließlich auch nicht mehr darüber nachzudenken, wie es vielleicht doch funktionieren könnte.
Der Blick bleibt auf dem Problem:
Ich kann es nicht.
Ein einziges Wort verändert den Satz
Was passiert aber, wenn wir ein einziges Wort ergänzen?
An der Realität hat sich dadurch überhaupt nichts verändert.
Ich kann es weiterhin nicht.
Aber während „Ich kann das nicht“ wie ein abgeschlossenes Urteil klingt, lässt „Ich kann das noch nicht“ plötzlich eine andere Zukunft zu.
Wer kein Klavier spielen kann, wird durch das Wort „noch“ keinen einzigen Ton besser spielen.
Aber aus einer vermeintlich endgültigen Grenze wird eine Frage:
Was müsste passieren, damit ich es irgendwann kann?
Vielleicht muss ich etwas lernen. Vielleicht brauche ich Übung. Vielleicht Unterstützung. Vielleicht sehr viel Zeit.
Und vielleicht stelle ich dabei fest, dass mir der notwendige Aufwand die Sache überhaupt nicht wert ist.
Auch das ist eine Antwort.
„Ich will das nicht“ darf eine Antwort sein
Wir müssen nicht alles können. Und wir müssen auch nicht aus jeder vermeintlichen Schwäche ein neues Entwicklungsprojekt machen.
„Ich will das nicht“ kann eine vollkommen legitime Entscheidung sein.
Spannend wird es für mich erst, wenn wir wieder ein kleines Wort hinzufügen:
Vielleicht lautet die Antwort:
Weil es mir schlicht nicht wichtig genug ist.
Dann ist die Sache vielleicht erledigt.
Vielleicht lautet die Antwort aber auch:
Weil ich Angst habe zu scheitern.
Weil der Weg anstrengend wäre.
Weil ich nicht weiß, wie es geht.
Weil ich glaube, dass ich dafür nicht gemacht bin.
Und plötzlich sprechen wir gar nicht mehr über dieselbe Frage.
Von der Aussage zur Frage
Vielleicht liegt der entscheidende Unterschied deshalb gar nicht zwischen „können“ und „wollen“.
Vielleicht liegt er darin, ob ich einen Gedanken als fertige Antwort behandle oder bereit bin, ihn noch einmal zu untersuchen.
Aus:
Ich kann das nicht.
wird:
Ich kann das noch nicht.
Und aus:
Ich will das nicht.
wird:
Warum will ich das nicht?
Manchmal braucht ein Gedanke keine große Veränderung.
Manchmal reicht ein einziges Wort, damit er in eine andere Richtung weiterläuft.